Analysieren wir dazu den kleinen Flynn, der im Jahr 1982 ganze Zwölf Jahre alt war. Da es nun um mich geht, werde ich diese Zeit Revue passieren lassen, wie man so schön sagt – denn ich war ja dabei und kann mich noch gut erinnern. In meinem Alter hatte jeder Junge, der wenigstens ein bißchen was auf sich hielt, ein anständiges Taschenmesser in der Hosentasche. Schließlich brauchte man das, wenn man im Wald einen Flitzebogen und die dazugehörigen Pfeile schnitzen wollte. Eine coole Waffe. Selbstgemacht und kostengünstig. Nur eine Schnur musste aus dem Werkzeugkeller des Vaters ausgeliehen werden. Derjenige, dessen Bogen am weitesten schoss, war der Sieger. Es war wichtig, Sieger zu sein. Ein nur kleines Wort – aber als Titel unerlässlich, um sich in der Gruppe behaupten zu können. Dass man diesen Titel am nächsten Tag wahrscheinlich wieder verlor, war überhaupt nicht wichtig. Morgen – wann soll das überhaupt sein? Das ist ja noch eine Ewigkeit entfernt.

Aber das Leben fand nicht nur draußen statt. Und weil Mamma das wusste, weil sie schlau war, kaufte sie ein Buch für den kleinen Flynn – falls das Wetter mal schlecht sei. Ausgesucht hatte sie den ersten Band der Serie TKKG von Stefan Wolf. Ein Buch, dass bei der Jugend ja so unglaublich gut ankommt – so Mamma. Alle finden es gut, meinte sie.
Lesen? Ich habe doch frei? Außerdem lese ich doch schon in der Schule. Also ich weiß wirklich nicht, wieso ich in meiner Freizeit lesen sollte. Na ja, ich kann ja mal anfangen. Hm, das Cover ist ja so comicartig gezeichnet. Drei Jungs – und ein Mädchen ist auch dabei. Was will die denn da?
Jetzt bin ich schon auf Seite acht. Immer noch keine Verletzten oder Toten, nicht mal Blut. Ob sich das durch’s ganze Buch zieht. Ich werde es wohl nicht herausfinden.
Enttäuscht gab ich das Buch meiner noch enttäuschteren Mutter zurück. Aufgeben wollte sie aber nicht. Ihren zweiten Versuch startete sie mit dem Buch „Die drei ??? und der Superpapagei“. Das hat geklappt. Zwar immer noch keine Toten, aber mal hin und wieder ein zwei Verletzte. Es gibt doch auch die Hörspiel-Kassetten von Europa? Ja, die würde ich gern haben, dann muss ich die Bücher nicht lesen.
Das war es vorerst mit der Leserei. Selbständig und aus eigenem Antrieb kaufte ich mir die Comics der Bastei-Serie „Die blauen Panther“ und jede Ausgabe der „Gespenster Geschichten“. Die Panther waren eine richtig coole Bande, die durch ihren fetten Zusammenhalt alle Probleme und alle Rätsel lösen konnten. Und die Bösen machten sie immer Platt – gemeinsam schafften sie das. Wenn es doch eine Bücherserie geben würde, vielleicht eine Mischung aus Gespenster-Geschichten und den blauen Panthern – die würde ich lesen.
Aber was war es, was ich vermisst hatte?
1. Coole Typen
Sie sind die besten Freunde und gehen durch Dick & Dünn. Der Zusammenhalt geht über alles. Man ist nie wieder allein.
2. Coole Waffen
Wenn wir in Gefahr geraten und von bösen Schurken bedroht werden, müssen wir uns verteidigen können. Hauptsache es sind Waffen ausreichend vorhanden. Man muss sie ja nicht benutzen, es sei denn, die Situation verlang es. Dann darf auch geschossen werden.
3. Knifflige Aufgaben
Kurz vor Exitus und keinen Plan um das eigene Leben zu retten? Ach, da überlegen wir uns schon was. Am besten im Team, da hat jeder einen anderen Vorschlag. Einer davon wird der richtige sein.
4. Außergewöhnliche Locations
Abenteuer in der Heide auf Omas Bauernhof? Liegt ja quasi um die Ecke. Nur passieren wird da nix, überhaupt nix. Also ab auf tropische Inseln, in verschneite und gefährliche Gebirge oder ans andere Ende der Welt – hoch oben im Himmel oder tief auf dem Meeresgrund. Hauptsache weit weg!
5. Blut, Tote, Verletzte
Ein paar Randfiguren müssen immer dran glauben. In den frühen Folgen von „Raumschiff Enterprise“ starben immer unbekannte Gesichter der Crew, wenn diese einen neuen Planeten untersuchten – meistens in einer roten Uniform.
6. Coole Fahrzeuge
Wenigstens sollten die Fahrzeuge Amphibienfahrzeuge sein. Mit einem Auto auf dem Wasser fahren, das ist cool. Besser noch, wenn es auch unter Wasser fährt, beziehungsweise taucht. Außerdem brauchen die Helden Zugriff auf Helikopter oder Flugzeug. Mobilität ist überlebenswichtig.
7. Treuer Begleiter
Ein Hund, schön groß, der die besten Abenteuer mit einem zusammen bestreitet – und der auch mal ein Stück Fleisch aus der Wade eines Fieslings beißt.
8. Horror & Grusel

Etwas unerklärliches, etwas paranormales. Das unheimliche Unbekannte. Es macht Angst. Aber ich liebe es! Ich fand aber leider kein Buch, in dem das alles vereint wurde. Also blieb ich bei den Blauen Panthern und den Gespenster Geschichten. In meiner Phantasie vereinte ich beides, und träumte meine eigenen Abenteuer. Und nur 35 Jahre später schrieb ich sie auf. Vielleicht geht es anderen, die die ganze Lesewelt noch vor sich haben, auch so.

Übrigens: Auf der Seite jungenleseliste.de gibt es jede Menge Bücher, die auch für Jungs interessant sein dürften. Ich freue mich sehr, dass die Seitenbetreiber das erste Abenteuer der Blackfin Boys empfohlen haben.